Hallo Andischa,
angesprochen werde ich oft, selten aber "dumm".
Meistens sind es ältere Damen, die fragen, was es wird, erzählen, dass sie früher auch gestrickt haben (und oft auch, was), dass sie schön finden, dass es noch jemand macht ... Wenn ich was Ungewöhnliches mache wie eine Schnur fingerhäkeln (mit zwei Fäden) wird auch schon mal gefragt, wie man das macht. Da war dann auch eine junge Mutter beteiligt.
Ein sehr junger Mann sprach mich mal an "Nanu, heute ohne Strickzeug?" In der Tat stricke ich meistens, und da er selbst ein bisschen häkeln kann, kann er das auch unterscheiden. An dem Tag war ich aber furchtbar müde, das fiel ihm gleich auf.
Eine junge Mutter mit inzwischen mehreren Kindern wollte mal ihrer inzwischen kindergartengroßen Tochter erklären, wer ich bin, weil wir ein paar Worte wechselten. "Das ist die, die immer strickt". Alles klar.
Wir sehen uns halt seit Jahren im Bus.
Ein Arbeitskollege, der seine Rolle wechselte und nun mit mir zu tun bekam, meinte bei der Vorstellung: "Kenne ich dich nicht aus dem Bus? Du strickst doch immer, oder?"
Wie du merkst, bin ich meist die einzige, aber ich habe auch schon mal eine andere Frau im Bus stricken sehen.
Nur einmal bin ich richtiggehend angefahren worden von einer noch jungen Frau, die neben mir saß. Sie habe mir schon mal gesagt (stimmt nicht), dass ich im Bus nicht stricken dürfe. Ich sagte erst mal sie verwechsle das mit einem Flugzeug. Nein, es stehe in den Beförderungsbedingungen (was nicht stimmt). Offenbar fühlte sie sich gefährdet, sie war furchtbar aufgeregt und ärgerlich.
Die Gefährdung eines Mitreisenden im Bus durch eine Rundstricknadel ohne Böswilligkeit meinerseits ist mir bis heute unklar. Im Falle eines Unfalls könnte ich mich natürlich selbst verletzen (deswegen nehme ich auch nie ein Nadelspiel mit), aber jemanden neben mir?
Sobald woanders was frei wurde, habe ich mich woanders hingesetzt. Wiederbegegnet bin ich ihr noch nicht (ist vielleicht ein Jahr her). Busfahrer haben mich auch noch nie darauf angesprochen, höchstens mal, was es wird, oder "heute ohne?", aber nicht, ich dürfe nicht.
Mit Böswilligkeit ist das was anderes, siehe im Buch "
Das Färöer-Tuch" von Nina Lingl. Mit den knit-pro (und sicher auch anderen Klick-Systemen) kann man einiges anstellen. Brr!
Vor 20-25 Jahren war das anders. Da brauchte ich mich nur in den Park zu setzen, mit Strickzeug oder Buch, und wurde garantiert angebaggert. Ich bin schließlich nur noch mit Begleitung in einen Park, oder auf abgeschlossenes Gelände, wie den Uni-Innenhof. Da wurde ich zwar auch angesprochen, aber wenigstens von infrage kommenden Typen

Ich war übrigens klein und mollig, durchaus kein Mannequin.
Klein bin ich immer noch, aber besser gepolstert
Viele Grüße,
Gundula